Hast du einen starken Selbstwert? Daran erkennst du es

Überall ist davon die Rede, dass wir unseren Selbstwert stärken sollten. Wir sollen mehr an uns glauben, uns weniger mit anderen vergleichen und unabhängiger davon werden, was andere über uns denken.

Doch bevor du deinen Selbstwert stärken kannst, lohnt sich eine grundlegendere Frage: Was bedeutet es eigentlich, einen starken Selbstwert zu haben?

Viele denken dabei an Selbstbewusstsein. An jemanden, der sicher auftritt, seine Meinung sagt und sich etwas zutraut. Doch Selbstwert und Selbstbewusstsein sind nicht dasselbe. Du kannst beruflich sehr selbstbewusst sein und trotzdem tief an dir zweifeln, sobald jemand dich kritisiert. Du kannst wissen, was du kannst, und dich trotzdem wertlos fühlen, wenn ein Mensch dich nicht mehr möchte. Und du kannst eher zurückhaltend sein und trotzdem ein stabiles Gefühl für deinen eigenen Wert haben.

Ob dein Selbstwert stabil ist, erkennst du deshalb weniger daran, wie souverän du wirkst. Viel aufschlussreicher ist, was mit deinem Gefühl für deinen eigenen Wert passiert, wenn etwas nicht gut läuft: wenn du einen Fehler machst, scheiterst, kritisiert wirst oder Ablehnung erfährst.

Denn genau dann zeigt sich, ob du etwas Negatives über eine Situation denkst – oder ob du daraus etwas Negatives über dich als Menschen ableitest.

Starker Selbstwert in Kürze

Ein starker beziehungsweise stabiler Selbstwert bedeutet nicht, dass du dich immer gut findest, ständig selbstsicher bist oder nie an dir zweifelst. Er bedeutet, dass dein grundlegendes Gefühl für deinen eigenen Wert nicht jedes Mal zusammenbricht, wenn etwas schiefläuft.

Du kannst einen Fehler machen, ohne dich selbst zum Fehler zu erklären. Du kannst kritisiert werden, ohne automatisch zu denken, dass mit dir etwas nicht stimmt. Und du kannst erleben, dass ein anderer Mensch dich nicht möchte, ohne daraus abzuleiten, dass du nicht liebenswert bist.

Ein stabiler Selbstwert zeigt sich also nicht darin, dass du immer positiv über dich denkst. Sondern darin, dass dein Wert als Mensch für dich nicht ständig neu zur Diskussion steht.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was bedeutet Selbstwert eigentlich?
  2. Selbstwert ist nicht dasselbe wie Selbstbewusstsein
  3. Selbstwert und Selbstvertrauen: Wo liegt der Unterschied?
  4. Woran erkennst du einen starken Selbstwert?
  5. Ein starker Selbstwert bedeutet nicht, dass du dich immer gut findest
  6. Wovon hängt dein Selbstwert ab?
  7. Warum sich dein Selbstwert besonders in Beziehungen zeigt
  8. Fazit
  9. Wie ich dich in meiner Beratung begleite
  10. FAQ zum Selbstwert

Was bedeutet Selbstwert eigentlich?

Selbstwert beschreibt vereinfacht gesagt, wie du dich selbst als Person bewertest und welchen Wert du dir zuschreibst. Dabei geht es um mehr als darum, ob du mit deinem Aussehen, deinem Beruf oder bestimmten Eigenschaften zufrieden bist. Selbstwert betrifft dein grundlegendes Verhältnis zu dir selbst.

Besonders sichtbar wird dieses Verhältnis in Situationen, in denen du gerade nicht deinem eigenen Ideal entsprichst.

Stell dir vor, du machst bei der Arbeit einen Fehler. Du kannst dich darüber ärgern und denken: „Das war wirklich ungünstig. Ich muss schauen, wie ich das korrigieren kann.“ Du kannst aber auch denken: „Wie konnte mir das passieren? Ich bin einfach unfähig.“

Psychologisch passiert hier etwas Unterschiedliches. Im ersten Fall bewertest du dein Verhalten oder deine Leistung. Im zweiten Fall wird aus der Bewertung deines Verhaltens eine Bewertung deiner ganzen Person.

„Ich habe etwas falsch gemacht“ wird zu „Mit mir stimmt etwas nicht.“

Genau diese Unterscheidung ist für das Verständnis von Selbstwert entscheidend. Ein Fehler sagt etwas darüber aus, was du getan hast. Eine schlechte Leistung sagt etwas darüber aus, wie dir etwas gelungen ist. Beides beantwortet nicht die Frage, was du als Mensch wert bist.

Bei einem instabilen Selbstwert verschwimmen diese Ebenen leichter miteinander. Deshalb können Fehler, Kritik oder Zurückweisung emotional so viel auslösen. Es geht innerlich irgendwann nicht mehr nur darum, was passiert ist, sondern um die schmerzhaftere Frage: „Was sagt das über mich aus?“

Selbstwert ist nicht dasselbe wie Selbstbewusstsein

Selbstwert und Selbstbewusstsein werden im Alltag häufig gleichgesetzt. Wenn jemand sicher auftritt, frei spricht, seine Meinung vertritt und sich nicht leicht einschüchtern lässt, sagen wir schnell: „Die hat aber einen starken Selbstwert.“

Das kann stimmen. Muss es aber nicht.

Selbstbewusstsein beschreibt im alltäglichen Sprachgebrauch vor allem, wie sicher du dich erlebst und nach außen auftrittst. Ein Mensch kann sehr präsent sein, Verantwortung übernehmen und genau wissen, was er kann. Das sagt jedoch noch nicht automatisch etwas darüber aus, wie stabil sein Selbstwert ist.

Interessant wird es häufig dann, wenn dieser Mensch kritisiert wird oder einen Fehler macht. Kann er sagen: „Da habe ich mich geirrt“? Oder muss er sich sofort rechtfertigen? Kann er akzeptieren, dass jemand anderer Meinung ist? Oder fühlt sich Widerspruch wie eine persönliche Kränkung an? Kann er eine Schwäche zugeben, ohne sich deshalb klein zu fühlen?

Ein stabiler Selbstwert zeigt sich deshalb nicht nur darin, wie du dich fühlst, wenn du erfolgreich bist und Anerkennung bekommst. Er zeigt sich besonders darin, wie du mit dir umgehst, wenn genau diese Bestätigung fehlt.

Deshalb kann ein Mensch nach außen ausgesprochen selbstbewusst wirken und innerlich trotzdem einen verletzlichen Selbstwert haben. Umgekehrt bedeutet Schüchternheit oder Unsicherheit nicht automatisch, dass jemand einen niedrigen Selbstwert besitzt.

Selbstwert und Selbstvertrauen: Wo liegt der Unterschied?

Auch Selbstwert und Selbstvertrauen sind nicht dasselbe. Selbstvertrauen bezieht sich stärker darauf, was du dir zutraust. Du kannst darauf vertrauen, dass du deinen Beruf beherrschst, Probleme lösen kannst oder in einer schwierigen Situation handlungsfähig bleibst.

Dieses Vertrauen kann je nach Lebensbereich unterschiedlich ausgeprägt sein. Vielleicht hast du beruflich großes Selbstvertrauen, fühlst dich aber in Liebesbeziehungen schnell unsicher. Vielleicht traust du dir wenig zu, wenn du vor vielen Menschen sprechen sollst, weißt aber trotzdem, dass du deshalb nicht weniger wert bist als jemand, der mühelos auf einer Bühne steht.

Der Unterschied lässt sich mit zwei Fragen verdeutlichen:

Selbstvertrauen fragt: „Kann ich das?“

Selbstwert fragt: „Was bin ich mir selbst wert, auch wenn ich es nicht kann?“

Angenommen, du sollst eine Präsentation halten und bist sehr nervös. Du könntest denken: „Ich weiß nicht, ob ich das gut hinbekomme. Vor großen Gruppen zu sprechen fällt mir schwer.“ Dieser Gedanke betrifft dein Vertrauen in eine bestimmte Fähigkeit.

Wenn daraus jedoch wird: „Ich werde mich blamieren. Dann merken alle, dass ich eigentlich gar nichts kann“, berührt die Situation deinen Selbstwert. Aus der Unsicherheit über eine Fähigkeit wird eine Aussage über deine Person.

Genau deshalb lässt sich ein verletzlicher Selbstwert nicht allein dadurch lösen, dass du immer kompetenter oder erfolgreicher wirst. Mehr Fähigkeiten können dein Selbstvertrauen stärken. Die tiefere Frage bleibt jedoch: Wie gehst du mit dir um, wenn du etwas nicht kannst oder nicht schaffst?

Woran erkennst du einen starken Selbstwert?

Ein stabiler Selbstwert ist häufig viel unspektakulärer, als wir denken. Du erkennst ihn nicht unbedingt daran, dass jemand besonders souverän auftritt. Häufig zeigt er sich in kleinen Situationen, die von außen kaum jemand bemerkt.

Du kannst Fehler machen, ohne dich selbst abzuwerten

Du kannst erkennen, dass du etwas falsch gemacht hast, ohne daraus abzuleiten, dass du falsch bist. Vielleicht ärgerst du dich, schämst dich oder musst dich entschuldigen. Ein stabiler Selbstwert bedeutet nicht, Fehler kleinzureden oder Verantwortung abzugeben.

Im Gegenteil: Wenn dein gesamter Wert nicht von deinem Verhalten abhängt, kannst du häufig ehrlicher hinschauen. Du kannst sagen: „Das war nicht in Ordnung von mir“, ohne daraus „Ich bin ein schlechter Mensch“ zu machen.

Selbstwert bedeutet nicht, dich von Kritik freizusprechen. Er ermöglicht dir, dein Verhalten kritisch anzusehen, ohne deine ganze Person abzuwerten.

Du kannst Kritik prüfen

Auch mit einem stabilen Selbstwert kann Kritik wehtun. Entscheidend ist eher, was danach passiert.

Kannst du dich fragen: „Ist etwas dran?“ Vielleicht lautet die Antwort ja, vielleicht teilweise oder vielleicht nein.

Wenn dein Selbstwert stark von der Zustimmung anderer abhängt, kann Kritik dagegen schnell bedrohlich werden. Dann glaubst du vielleicht sofort, dass der andere recht hat, und zweifelst an dir. Oder du musst die Kritik unmittelbar abwehren, weil sie sich wie ein Angriff auf deine Person anfühlt.

Bei einem stabileren Selbstwert darf die Meinung eines anderen eine Information sein, die du prüfst. Sie ist nicht automatisch die Wahrheit über dich.

Du kannst deine Schwächen sehen

Ein starker Selbstwert bedeutet nicht, möglichst positiv über dich zu denken. Du musst dich nicht für besonders schön, klug, interessant oder erfolgreich halten.

Du darfst wissen, dass du manchmal ungeduldig bist, Konflikten ausweichst oder bestimmte Dinge nicht besonders gut kannst. Ein stabiler Selbstwert hält diese Erkenntnisse aus.

Hier liegt ein wichtiger Unterschied: Ein starker Selbstwert bedeutet nicht, möglichst viele positive Eigenschaften an dir zu entdecken. Er bedeutet, dass deine Schwächen und Fehler deinen grundlegenden Wert nicht aufheben.

Du kannst dich vergleichen, ohne dich abzuwerten

Vergleiche gehören zum menschlichen Leben. Es wird immer Menschen geben, die in bestimmten Bereichen erfolgreicher, attraktiver, talentierter oder gelassener sind als du.

Du kannst denken: „Sie kann das besser als ich.“ Oder du kannst daraus machen: „Sie ist besser als ich.“

Im ersten Fall vergleichst du eine Fähigkeit oder Eigenschaft. Im zweiten Fall machst du daraus eine Rangordnung des menschlichen Wertes.

Ein stabilerer Selbstwert hilft dir dabei, Unterschiede auszuhalten, ohne dich deshalb als weniger wertvoll zu erleben.

Du kannst Nein sagen, obwohl jemand enttäuscht ist

Wenn dein Gefühl für deinen Wert stark davon abhängt, dass andere dich mögen, kann ein Nein sehr bedrohlich werden. Vielleicht sagst du zu, obwohl du eigentlich nicht möchtest. Oder du erklärst deine Grenze ausführlich, weil du unbedingt verhindern willst, dass jemand schlecht über dich denkt.

Ein stabilerer Selbstwert bedeutet nicht, dass dir die Gefühle anderer egal sind. Du darfst Rücksicht nehmen. Aber du kannst zunehmend aushalten, dass jemand von deiner Entscheidung enttäuscht ist, ohne daraus sofort zu schließen, dass du egoistisch oder ein schlechter Mensch bist.

Denn manchmal ist jemand nicht enttäuscht, weil du etwas falsch gemacht hast, sondern schlicht deshalb, weil deine Grenze seinem Wunsch entgegensteht.

Wenn es dir schwerfällt, deine eigenen Grenzen zu vertreten, obwohl du sie eigentlich wahrnimmst, steckt dahinter oft mehr als fehlende Durchsetzungskraft. Warum das so ist und welche Rolle die Angst vor Ablehnung oder Enttäuschung dabei spielen kann, erfährst du in meinem Artikel „Warum kann ich keine Grenzen setzen?“

Du musst nicht von jedem Menschen gemocht werden

Fast jeder Mensch möchte gemocht werden. Auch ein stabiler Selbstwert macht dich nicht unabhängig von Anerkennung und Zugehörigkeit.

Doch es gibt einen Unterschied zwischen dem Wunsch, gemocht zu werden, und dem Gefühl, gemocht werden zu müssen.

Wenn jemand dich unsympathisch findet, darf dich das beschäftigen. Du musst aber nicht zwangsläufig versuchen, seine Meinung über dich zu verändern. Menschen werden dich unterschiedlich wahrnehmen. Manche mögen deine Art, andere nicht.

Ein stabiler Selbstwert hilft dir, diese Unterschiede auszuhalten, ohne jede Ablehnung als Urteil über deinen Wert zu interpretieren.

Ein starker Selbstwert bedeutet nicht, dass du dich immer gut findest

Vielleicht liegt hier eines der größten Missverständnisse rund um Selbstwert. Ein Mensch mit einem starken Selbstwert ist nicht dauerhaft zufrieden mit sich.

Du darfst Entscheidungen bereuen, an dir zweifeln oder mit einer Eigenschaft von dir unzufrieden sein. Du darfst dich schämen, unsicher fühlen oder feststellen, dass du dich in einer Situation wirklich ungünstig verhalten hast.

Die entscheidende Frage lautet nicht: „Finde ich mich immer gut?“

Sondern: „Wie behandle ich mich, wenn ich mich gerade nicht gut finde?“

Wirst du dann innerlich hart und abwertend? Wird aus einem Fehler sofort ein Beweis dafür, dass du unfähig bist? Wird aus einer Zurückweisung der Gedanke, dass du nicht liebenswert bist? Oder kannst du anerkennen: „Das gefällt mir gerade nicht an mir. Trotzdem muss ich mich deshalb nicht als ganzen Menschen ablehnen.“

Ein stabiler Selbstwert ist deshalb weniger ein dauerhaft positives Gefühl als eine grundlegende Haltung dir selbst gegenüber. Und diese Haltung zeigt sich häufig gerade an den Tagen, an denen du dich nicht besonders stark fühlst.

Selbstwert

Wovon hängt dein Selbstwert ab?

Unser Selbstwert entwickelt sich nicht unabhängig von unseren Erfahrungen. Schon früh lernen wir etwas darüber, wofür wir Aufmerksamkeit, Zugehörigkeit und Anerkennung bekommen.

Vielleicht hast du erlebt, dass du besonders gelobt wurdest, wenn du gute Leistungen erbracht hast. Vielleicht war es wichtig, vernünftig zu sein, wenig Schwierigkeiten zu machen oder auf andere Rücksicht zu nehmen. Vielleicht hast du gelernt, dass Harmonie sicherer ist als Konflikt oder dass du Anerkennung bekommst, wenn du für andere da bist.

Aus solchen Erfahrungen können sich innere Bedingungen entwickeln:

„Ich bin wertvoll, wenn ich erfolgreich bin.“

„Ich bin liebenswert, wenn jemand mich braucht.“

„Ich bin gut, wenn andere mit mir zufrieden sind.“

„Ich bin ein guter Mensch, wenn ich niemanden enttäusche.“

Solche Regeln laufen häufig unbewusst ab. Trotzdem können sie bestimmen, wann du dich gut mit dir fühlst.

Das Problem ist nicht, dass dir Erfolg, Hilfsbereitschaft oder Anerkennung wichtig sind. Schwierig wird es, wenn sie zur Voraussetzung dafür werden, dich selbst als wertvoll zu erleben. Dann muss dein Wert immer wieder bestätigt werden: durch die nächste gute Leistung, das nächste Kompliment oder die liebevolle Reaktion eines anderen Menschen.

Ein stabilerer Selbstwert bedeutet nicht, dass dir Anerkennung nichts mehr bedeutet. Anerkennung darf dir guttun. Sie muss deinen Wert aber nicht jedes Mal neu herstellen.

Wenn hinter diesen inneren Regeln immer wieder das Gefühl auftaucht, nicht zu genügen, lohnt sich ein genauerer Blick darauf. In meinem Artikel Warum fühle ich mich nie gut genug? erkläre ich, woher dieses Gefühl kommen kann und warum selbst Anerkennung und Erfolg es häufig nicht dauerhaft beruhigen.

Warum sich dein Selbstwert besonders in Beziehungen zeigt

In Beziehungen wird unser Selbstwert häufig besonders empfindlich berührt. Das ist nachvollziehbar, denn Zugehörigkeit und Bindung gehören zu unseren grundlegenden Bedürfnissen.

Vielleicht fühlst du dich sicher, solange dein Partner liebevoll und aufmerksam ist. Wird er distanzierter, verändert sich jedoch nicht nur deine Wahrnehmung der Beziehung. Plötzlich verändert sich deine Wahrnehmung deiner selbst: „Was habe ich falsch gemacht? Bin ich ihm nicht mehr wichtig? Bin ich nicht interessant genug?“

Die Reaktion des anderen wird damit zum Spiegel deines eigenen Wertes.

Besonders deutlich kann das bei Zurückweisung oder einer Trennung werden. Natürlich tut es weh, einen Menschen zu verlieren. Doch wenn dein Selbstwert stark daran hängt, von diesem Menschen gewählt zu werden, kommt zur Trauer häufig Selbstentwertung hinzu.

Aus „Dieser Mensch möchte keine Beziehung mehr mit mir“ wird „Ich war nicht genug.“

Doch diese beiden Aussagen sind nicht dasselbe.

Menschen können Beziehungen beenden, weil ihre Gefühle sich verändern, Bedürfnisse nicht zusammenpassen oder sie andere Vorstellungen von ihrem Leben haben. Eine Trennung sagt etwas darüber aus, was zwischen zwei Menschen passiert. Sie legt nicht den Wert dieser Menschen fest.

Ein stabiler Selbstwert bedeutet deshalb nicht, dass Ablehnung dich nicht mehr verletzt. Er hilft dir dabei, zwischen „Ich werde abgelehnt“ und „Ich bin nicht liebenswert“ zu unterscheiden.

Du kannst jemanden verlieren, ohne dich selbst dabei verlieren zu müssen.

Fazit: Deinen Selbstwert erkennst du besonders dann, wenn du gerade nicht glänzt

Vielleicht hast du bisher gedacht, dass ein starker Selbstwert bedeutet, selbstbewusst aufzutreten, an dich zu glauben und deine Stärken zu kennen. Das alles kann hilfreich sein – aber Selbstwert reicht tiefer.

Die entscheidende Frage ist nicht nur: „Was denke ich über mich, wenn ich erfolgreich bin, geliebt werde und Anerkennung bekomme?“

Viel aufschlussreicher ist: „Wie gehe ich mit mir um, wenn ich kritisiert werde, unsicher bin oder jemand mich nicht möchte?“

Genau dort zeigt sich die Stabilität deines Selbstwerts.

Du kannst etwas schlecht machen, ohne deshalb schlecht zu sein. Du kannst scheitern, ohne dich als gescheitert zu betrachten. Du kannst abgelehnt werden, ohne daraus abzuleiten, dass du nicht liebenswert bist.

Ein stabiler Selbstwert bedeutet also nicht, dich immer gut zu finden. Vielleicht lässt er sich viel treffender so beschreiben:

Du musst deinen Wert nicht jeden Tag neu verdienen.

Wie ich dich in meiner Beratung begleite

Wenn du merkst, dass dein Gefühl für deinen eigenen Wert sehr davon abhängt, was andere über dich denken, wie viel du leistest oder wie sich ein bestimmter Mensch dir gegenüber verhält, schaue ich mit dir nicht einfach darauf, wie du „selbstbewusster“ werden kannst. Mich interessiert zunächst, warum bestimmte Situationen deinen Selbstwert so stark berühren.

Gemeinsam schauen wir darauf, wann du besonders schnell an dir zweifelst, welche Gedanken dann auftauchen und woran du deinen Wert unbewusst knüpfst. Vielleicht hast du gelernt, Anerkennung über Leistung zu bekommen. Vielleicht war es wichtig, angepasst, vernünftig oder hilfsbereit zu sein. Oder die Reaktion anderer Menschen hatte schon früh große Bedeutung dafür, wie sicher du dich gefühlt hast.

In meiner systemischen Arbeit betrachten wir solche Muster im Zusammenhang mit den Beziehungen und Erfahrungen, in denen sie entstanden sind. Dabei können wir innere Glaubenssätze sichtbar machen und verstehen, welche Funktion bestimmte Verhaltensweisen bisher für dich hatten.

Darauf aufbauend geht es darum, neue Erfahrungen zu ermöglichen: deine eigenen Bedürfnisse ernster zu nehmen, Grenzen wahrzunehmen, Kritik anders einzuordnen und die Reaktion anderer weniger schnell mit deinem eigenen Wert zu verknüpfen.

Das Ziel ist nicht, dass du nie wieder an dir zweifelst. Es geht darum, dass ein Zweifel an etwas, das du getan hast, nicht automatisch zu einem Zweifel daran wird, wer du bist und was du wert bist.

Wenn du mehr über mich und meine Arbeitsweise erfahren möchtest, findest du hier weitere Informationen:

Über mich

FAQ

Was bedeutet es, einen starken Selbstwert zu haben?

Ein starker beziehungsweise stabiler Selbstwert bedeutet, dass du dich grundsätzlich als wertvoll und achtenswert erleben kannst, ohne dieses Gefühl ständig durch Leistung, Anerkennung oder Zustimmung bestätigen zu müssen. Du kannst trotzdem unsicher sein und Fehler machen. Entscheidend ist, dass solche Erfahrungen nicht sofort deinen gesamten Wert als Mensch infrage stellen.

Was ist der Unterschied zwischen Selbstwert und Selbstbewusstsein?

Selbstbewusstsein zeigt sich häufig darin, wie sicher du auftrittst, deine Meinung vertrittst oder dich in sozialen Situationen bewegst. Selbstwert betrifft stärker deine grundlegende Bewertung deiner eigenen Person. Deshalb kannst du sehr selbstbewusst auftreten und trotzdem einen verletzlichen Selbstwert haben.

Was ist der Unterschied zwischen Selbstwert und Selbstvertrauen?

Selbstvertrauen bezieht sich stärker auf deine Fähigkeiten: „Traue ich mir zu, diese Situation zu bewältigen?“ Selbstwert betrifft dagegen die Frage: „Was bin ich mir selbst wert?“ Du kannst dir etwas nicht zutrauen und trotzdem wissen, dass dein Wert als Mensch davon nicht abhängt.

Woran erkenne ich einen stabilen Selbstwert?

Ein stabiler Selbstwert zeigt sich unter anderem darin, dass du Fehler zugeben kannst, Kritik prüfen kannst, deine Grenzen ernst nimmst und Ablehnung nicht automatisch als Beweis dafür interpretierst, dass mit dir etwas nicht stimmt. Auch die Fähigkeit, eigene Schwächen anzuerkennen, ohne dich grundsätzlich abzuwerten, gehört dazu.

Bedeutet ein starker Selbstwert, dass ich mich selbst lieben muss?

Nicht unbedingt. Du musst nicht jeden Teil von dir lieben oder ständig positive Gefühle für dich haben. Eine realistischere Grundlage ist, dich selbst grundsätzlich mit Respekt zu behandeln und deinen menschlichen Wert nicht davon abhängig zu machen, wie zufrieden du gerade mit dir bist.

Bedeutet ein stabiler Selbstwert, dass mir die Meinung anderer egal ist?

Nein. Wir sind soziale Wesen und die Meinung wichtiger Menschen darf uns berühren. Der Unterschied besteht darin, dass die Bewertung eines anderen Menschen nicht automatisch darüber entscheidet, wie viel du dir selbst wert bist.

Kann ich meinen Selbstwert im Erwachsenenalter noch verändern?

Ja. Selbstwert ist nicht unveränderlich. Ein wichtiger Schritt besteht darin, zu verstehen, an welche Bedingungen du deinen Wert bisher geknüpft hast – beispielsweise Leistung, Anerkennung, Attraktivität, Harmonie oder das Gefühl, gebraucht zu werden. Auf dieser Grundlage kannst du neue Erfahrungen im Umgang mit dir selbst entwickeln.

Weitere Informationen

Wenn du dich noch intensiver mit dem Thema Selbstwert beschäftigen möchtest, findest du hier zwei interessante Beiträge von Spektrum der Wissenschaft:

  • „Warum es so schwerfällt, sich selbst zu mögen“ – Der Beitrag beschäftigt sich damit, wie unser Selbstwert entsteht, wodurch er beeinflusst wird und warum es manchen Menschen schwerer fällt, sich selbst positiv zu sehen. Zum Artikel bei Spektrum der Wissenschaft
  • „Ist ein starkes Selbstwertgefühl von Vorteil?“ – Hier geht es um die spannende Frage, ob ein möglichst hoher Selbstwert tatsächlich immer erstrebenswert ist und was die psychologische Forschung über die Bedeutung des Selbstwertgefühls weiß. Zum Artikel bei Spektrum der Wissenschaft

Patricia Masur

Diplom-Sozialwissenschaftlerin

Psychologische Beratung für Frauen und Mädchen

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